PFÜNZ

 

    Pfünz hatte zur Römerzeit erhebliche strategische Bedeutung, da sich hier die Römerstraßen Weißenburg - Kösching und Nassenfels - Böhming kreuzten und der Limes, die römische Grenzbefestigung, nur 10 km entfernt war. Die Römer errichteten deshalb in Pfünz ein befestigtes Militärlager. Das Römerkastell liegt auf dem sog. Kirchberg, einem Höhenrücken südlich von Pfünz, an der Straße Pfünz - Pietenfeld. Das 2,5 ha große Kastell (Seitenlänge 189 x 145 m) hebt sich durch den erhöhten Wall deutlich im Gelände ab. Drei der vier Lagertore sind in den Grundmauern konserviert. Der Doppelgraben vor der Mauer ist in den Jurafels eingeschlagen und deshalb - vor allem an der Westseite - vorzüglich erhalten.
Das Kastell (röm. Name Vetonianis) entstand etwa um 90 nach Chr., als Kaiser Domitian auf der Linie Weißenburg - Pfünz - Kösching eine befestigte Heerstraße als neue Grenze des Römerreiches anlegen ließ. Stationiert war im Lager eine Fußsoldateneinheit mit einer berittenen Abteilung (cohors equitata) mit insgesamt etwa 500 Mann, die sich aus dem pannonischen Volksstamm der Breuker rekrutierten und denen das römische Bürgerrecht zuerkannt war. Das ursprüngliche Holzkastell wurde unter Kaiser Antonius Pius (138 - 161 n. Chr.) in Stein ausgebaut. Für 183/184 n. Chr. bezeugt eine Inschriftentafel einen Wiederaufbau des Lagers, das offenbar in den Markomannenkriegen schwere Schäden erlitten hatte. Die zweite und wohl endgültige Zerstörung brachte der große Alemannensturm des Jahres 233 n. Chr.. Der Angriff kam für die Kastellbesatzung so überraschend, dass die Wachposten am Südtor nicht einmal mehr ihre an die Außenwand gelehnten Schilde ergreifen konnten - man fand sie im Brandschutt -, sondern vorher niedergemacht wurden. Auch ein Gefangener in der Arrestzelle des Kastellmittelgebäudes konnte sich beim Überfall nicht mehr befreien und verbrannte bei der Einäscherung des Lagers - den Unterschenkelknochen noch angekettet, so fanden die Ausgräber sein Skelett. Mit dem Kastell gingen das südlich davon gelegene Lagerdorf mit drei Tempeln und - im Tal des Pfünzer Baches - das Kastellbad und das "Industrieviertel" mit Eisenschmelz-, Schmiede- und Töpferöfen zugrunde. Die zahlreichen Funde aus Kastell, Lagerdorf, Bad und Industrieviertel, die bei Ausgrabungen von 1884 bis 1900 geborgen wurden, sind im Museum des Historischen Vereins auf der Willibaldsburg in Eichstätt zu besichtigen.

 

(Quelle: Karl Zecherle,  http://www.vetoniana.de/01966e946913cb301/)