
Urlaub und Tourismus bei den alten Römern
Zu den Errungenschaften der Römer zählen auch die Anfänge der Tourismusindustrie.
Im 1. Jahrhundert nach Christus zählte Rom eine Million Einwohner – für die damalige Zeit eine ungeheuer große Zahl. Das tägliche Leben war genauso anstrengend und ungesund wie heute: Menschenmassen, Verkehr, Durcheinander, Lärm und Verschmutzung führten zu Stress und jeder Form von Erkrankung in der Bevölkerung. Wer es sich erlauben konnte, suchte Ruhe und Erholung außerhalb der Hauptstadt. Die meisten wohlhabenden Bürger besaßen eine oder sogar mehrere Villen auf dem Land. Neben den landwirtschaftlichen Gebäuden, die von den Bauern oder Sklaven bewohnt wurden, hatten die Villen Bereiche, die einzig der Erholung ihrer Eigentümer dienten.
Auf die letzten Jahrhunderte der Republikanischen Ära (II.-I. Jahrhundert v.Chr.) geht der Trend der römische Aristokratie zurück, auch Ferienhäuser in Meeresnähe zu bauen. Die faszinierende Landschaft, die erlesene, von den Griechen überlieferte Kultur sowie die nicht allzu weite Entfernung von der Hauptstadt machten die Küstenorte Kampaniens besonderst beliebt.
Entlang der gesamten Küste sowie auf den größeren Inseln entstanden Villen, Paläste, Unterkünfte und Thermen. Hier verbrachten die Mächtigen Roms ihre Ferien im Zeichen der Exklusivität, Erholung und mondäner Empfänge.
Man könnte fast sagen, dass der heute fast größte Wirtschaftszweig der Erde, die Tourismusindustrie vor 2000 Jahren entstand. Auch ein Phänomen, das in den späteren Jahrhunderten als “grand tour” bezeichnet wird, entstand zur selben Zeit. Die „grand tour“ der Antike führte von Rom nach Neapel und Capri - das Hauptziel aller Reisenden. Von dort begaben sich die Touristen der Antike (reiche und kultivierte Mitglieder der Gesellschaft) nach Griechenland, dem Land der Antike von damals.
Ein beliebtes Ziel war Athen. Man besichtigte die Wirkungsstätten von Sokrates und Platon, wie den Partenon und die Akropolis. Dagegen waren die nur von Schäfern und Fischern bewohnten griechischen Inseln für die antiken Römer völlig unattraktiv.
Reisen nach Vorderasien (die heutige Türkei), eine der reichsten Provinzen des Römischen Reiches, waren aufgrund der vielen Thermalorte weitaus beliebter. Obligatorische Etappe: die Ruinen Trojas.
Danach ging es per Schiff weiter nach Ägypten. Alexandrien war in der römischen Antike ein besonderst exotischer Ort, an dem Afrika, Asien und Europa aufeinander trafen.
Die Reise beinhaltete einen Ausflug zu den Pyramiden und eine Kreuzfahrt auf dem Nil, mit kurzen Aufenthalten zur Besichtigung der Grabstätten entlang des Ufers.
Durchschnittlich dauerte eine Reise mit den damals üblichen Transportmitteln zwei bis drei Jahre.
Die Reiseroute orientierte sich an Strassen- und Seekarten. (Zu erwähnen ist hier insbesondere eine Karte, die im Jahre V vor Christus von Agrippa, dem Stellvertreter von Kaiser Augustus, an die damaligen Experten in Auftrag gegeben worden war. Bedeutsam war vielleicht auch die Tabula Peutingeriana, obwohl sie eher für administrative und militärische Zwecke entworfen worden war.)
Trotz des guten Kartenwerks war eine Reise dennoch ein großes Unterfangen, verbunden mit zahlreichen und manchmal unglaublichen Unannehmlichkeiten. Die meisten Reisenden unterzogen sich dem nur aus wirklich triftigen Gründen.
Auf der raeda oder reda, einem Karren mit vier Rädern, wurden Gepäck und Familienmitglieder verstaut, wenn es auf Reise ging. Außer den privaten Karren gab es auch Mietwagen, die an ganz bestimmten Stationen hielten.
Nach Aussagen des australischen Schriftstellers Tony Perrottet (Autor des wunderbaren Buches “Route 66 A.D. – On the Trail of Ancient Roman Tourists” http://www.route66ad.com), konnten sich die Menschen der Antike anhand Agrippas Karte zum ersten Mal ein Bild von der Lage und den Entfernungen zwischen den damals bekannten Orten und Ländern machen.
Die Ära des Tourismus hatte begonnen....
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